Broadband TV News sprach kürzlich mit Maria Malinkowitsch, Director Product Management bei Verimatrix, einem weltweit führenden Anbieter von Content-Schutzlösungen, um die eskalierende Problematik gross angelegter illegaler Streaming-Aktivitäten zu beleuchten. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die wachsenden Gefahren, die von ungesicherten Geräten und unbefugtem CDN-Zugriff ausgehen, sowie die praktischen Massnahmen, die Betreiber ergreifen können, um ihre Plattformen zu schützen.
BTN: Welche zentralen Herausforderungen stellt die Piraterie heute dar, insbesondere im Bereich Streaming und Live-Sport?
Malinkowitsch: "Die Piraterie nimmt leider zu. Torrents sind zwar um über 40 % zurückgegangen, aber sie wurden durch weitaus bösartigere Formen des Content-Diebstahls ersetzt. Wir sehen enorme finanzielle Verluste: Frankreichs Ligue 1 gab kürzlich fast 400 Millionen Euro an entgangenen Einnahmen bekannt – fast der gesamte Wert der Rechte – und LaLiga schätzt die jährlichen Verluste auf 600-700 Millionen Euro. Das sind Zahlen, die die Branche ruinieren können."
BTN: Was treibt dieses rasante Wachstum der Piraterie an? Ist es für Kriminelle jetzt einfacher?
Malinkowitsch: "Enorm. In der Vergangenheit dauerte es Jahre und erforderte professionelle Hacker, ein Verschlüsselungssystem für Set-Top-Boxen oder Smartcards zu knacken. Heute wird Content an Millionen von ungesicherten Geräten geliefert – Webbrowser, vernetzte Fernsehgeräte, Smartphones, Tablets –, die leicht auszunutzen sind. Schlimmer noch, im Dark Web kann man jetzt Piraterie-as-a-Service kaufen: eine komplette illegale OTT-Plattform mit Benutzeroberfläche, Empfehlungsmaschine, Kundenverwaltung und Tausenden von Kanälen, einschliesslich Premium-Live-Sport. Sie sieht so professionell aus wie Netflix oder Disney+. Man muss nicht einmal für ein CDN bezahlen – alles ist inklusive."
BTN: Wer steckt hinter diesen illegalen Aktivitäten?
Malinkowitsch: "Die meisten dieser illegalen IPTV-Plattformen werden nicht von Hobby-Bastlern betrieben, sondern von organisierten kriminellen Netzwerken, und das Geld, das in sie fliesst, finanziert letztendlich Aktivitäten wie Geldwäsche, Menschenhandel, Kinderpornografie, Waffen- und Drogenhandel – also genau die Dinge, die Konsumenten niemals wissentlich unterstützen würden. Die Leute denken, sie sparen nur Geld beim Fussball, aber das kriminelle Ökosystem im Hintergrund ist extrem düster."
BTN: Sind Endnutzer durch Piraterie gefährdet?
Malinkowitsch: "Rechtlich ja – Piraterie ist illegal, auch für Zuschauer, obwohl eine Strafverfolgung selten ist, weil die Gesetzgebung hinterherhinkt. Die grössere Gefahr ist das Cyber-Risiko: Illegale Dienste schleusen unbekannte Anzeigen und bösartige Banner ein, die zu gestohlenen Zugangsdaten, gehackten Geräten oder Kreditkartenbetrug führen. Die Leute verhalten sich, als wäre das Web ein Süsswarenladen – das ist es nicht. Es ist eine gefährliche Umgebung, und Piratenseiten nutzen das aus."
BTN: Wie sollten Betreiber dieses Problem angehen?
Malinkowitsch: "Die meisten konzentrieren sich immer noch auf Post-mortem-Massnahmen: Wasserzeichen und das Versenden von Takedown-Benachrichtigungen. Aber 81 % der Takedown-Anfragen werden ignoriert. Es ist unrealistisch, Piraten im Nachhinein zu verfolgen. Betreiber müssen zu Prävention übergehen – Eindringlinge stoppen, bevor Content gestohlen wird. Eine grosse Bedrohung ist heute das CDN-Leeching, bei dem Piraten gestohlene Zugriffstoken von legitimen Apps missbrauchen, um den Original-Stream abzurufen und ihn im industriellen Massstab weiterzuverbreiten. Während eines grossen Live-Fussballspiels, das von einem führenden CDN-Anbieter in Spanien und Italien gemessen wurde, war beispielsweise mehr als die Hälfte des gesamten CDN-Traffics illegal. Das trifft die Betreiber doppelt: Es treibt die CDN-Kosten gerade zu Spitzenzeiten in die Höhe und verschlechtert gleichzeitig das Seherlebnis für zahlende Kunden, die mit Pufferung zu kämpfen haben oder nicht auf den Stream zugreifen können, weil die Bandbreite von Piratendiensten verbraucht wird."
BTN: Was beinhaltet eine wirksame Prävention?
Malinkowitsch: "Sie müssen ungesicherte Apps wieder in eine vertrauenswürdige Umgebung bringen. Eine robuste Anti-Piraterie-Strategie umfasst: Schutz von Apps vor Reverse Engineering und Manipulation; Authentifizierung jeder App-Instanz, um sicherzustellen, dass sie legitim ist; Überwachung des Netzwerkverkehrs auf Anomalien, die auf CDN-Leeching hindeuten; Durchsetzung von Geo-Restriktionen, um zu verhindern, dass auf Content in nicht autorisierten Regionen zugegriffen wird. Ohne diese Schritte können die Betreiber nicht mithalten. Die Piraterie entwickelt sich zu schnell."
BTN: Ist das zu komplex für kleinere Plattformen?
Malinkowitsch: "Das muss nicht sein. Moderne Lösungen automatisieren diese Schritte. Das Streamkeeper-Portfolio von Verimatrix kombiniert Multi-DRM, Wasserzeichen, Web-Crawling, Piraterie-Überwachung und App-basierte Gegenmassnahmen in einem Paket. Unsere Counterspy-Komponente wurde speziell entwickelt, um geschützte Apps zu identifizieren, sie zu authentifizieren und unrechtmässigen Zugriff zu blockieren, ohne echte Abonnenten zu schädigen. Sie bietet Betreibern eine überschaubare, proaktive Verteidigung."
Malinkowitsch abschliessend: "Man wird die Piraterie nie vollständig beseitigen können – jemand kann immer einen Bildschirm mit einem Smartphone filmen. Aber man kann den Diebstahl im industriellen Massstab drastisch reduzieren, indem man ihn schwieriger, riskanter und teurer macht. Die Branche muss vom Reagieren zum Eindämmen und Verhindern übergehen. Das ist die einzig nachhaltige Strategie."
Maria Malinkowitsch, Director Product Management bei Verimatrix, bringt ihr fundiertes Wissen in den Bereichen Videoverbreitung und Produktmanagement ein. Nach einer herausragenden Tätigkeit bei SES wechselte sie 2022 zu Verimatrix, um das Antipiraterie-Portfolio zu leiten und die sichere Videobereitstellung weltweit durch Innovationen wie Streamkeeper Watermarking und Counterspy voranzutreiben. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, digitale Medien zu einem sichereren und zugänglicheren Erlebnis für alle zu machen.

